Mittlerweile kennt sie so gut wie jeder: die 2008 von Joe Gebbia, Brian Chesky und Nathan Blecharczyk in San Francisco gegründete Plattform Airbnb.  Über 200 Millionen Gäste haben in 191 Ländern und 65.000 Städten (Tendenz steigend) bereits eines der über 4 Millionen Inserate in Anspruch genommen – entweder um dem eigenen Alltag zu entfliehen um einfach mal ein Wochenende in seinem Traumloft zu verbringen oder einfach als eine kostengünstige Alternative zum Hotel um die Ecke. Eine beeindruckende Statistik will man meinen.

Auch ich stieß 2015 auf das Portal, in dem ein Bekannter von mir seine Wohnung in Lüneburg inserierte. Ich war auf der Suche nach einer geeigneten Location für meine erste „Homestory“, nachdem mein Studio in Lüneburg dem Erdboden gleich gemacht wurde und ich mangels Alternativen meinen Schwerpunkt vom Studio auf andere Locations ändern musste. Wenig später habe ich dann auch schon in der genannten Wohnung fotografiert. Und es hat mir gefallen. Es hat Spaß gemacht, mal etwas anderes als das Studio zu sehen. Einfach mal das Model in ihrem „natürlichen Umfeld“ einfangen. Gut, es war nicht ihre Wohnung, aber jeder der mal in einer gelebt hat, kann sich recht schnell an neues gewöhnen und zumindest so tun als ob.

Die Homeshootings zogen mich in ihren Bann, wie man meinem Erstlingswerk Candyland entnehmen kann. Und auch Airbnb-Locations. Immer dann, wenn ein Model keine geeignete Wohnung ihr Eigen nennen konnte, mussten wir umschwenken und uns nach Alternativen umsehen. Von der kleinen Bude in Lüneburg über die Altbauwohnung in Hamburg und der Dachgeschosswohnung in Berlin bis hin zum Zirkuswagen in Köln: ich habe schon einige schöne Wohnungen sehen dürfen. Ganz normal gebucht via Airbnb. Am Anfang habe ich die Kosten komplett selber getragen. Mit zunehmendem Portfolio haben mich dann die Models entlastet und die Miete wurde meist durch zwei geteilt. Irgendwann habe ich zwei Models an einem Tag geshootet und diese haben die Miete unter sich aufgeteilt. So oder so: selten waren wir über Nacht noch dort. Es ging einzig und allein um eine Sache: das Fotografieren.

Eine genaue Zahl kann ich gerade nicht nennen, wieviele Wohnungen es tatsächlich waren. Bei vielen fehlt die Dokumentation, weil wir uns ausserhalb von Airbnb (aufgrund der gezwungenen Reinigungskosten) geeinigt haben. Aber es waren ein paar. Und bis dato lief eigentlich alles gut. Die meisten, wenn nicht eigentlich alle wussten darüber Bescheid, dass wir dort fotografieren. Und WAS wir dort fotografieren.

Aber nicht immer läuft alles glatt: Im November 2015 mietete ich mit zwei weiteren Models ein Loft in Berlin. Wunderschön. Der Vermieter schrieb bereits in seine Ausschreibung, dass man sich bei kommerziellen Fotoshootings bei ihm melden solle, es würden andere Kosten anfallen. Nun gut, dachte ich. Den Einsatzzweck des Shootings würde ich nicht unbedingt als „kommerziell“ betiteln. Es würde Eigenwerbung sein, okay. Aber nichts, womit ich Geld verdienen würde. Also haben wir diese Traumlocation gebucht, uns dort getroffen, fotografiert. Die Bilder wurden im Nachgang beim C-Heads und Yume Magazine gefeatured. Beides Magazine mit großer Reichweite. Ich glaube sogar, dass es mein erstes feature im C-Heads Magazine war. Etwas, auf das ich mich schon so lange gefreut hatte – eine Art Krönung in dem Bereich der Fotografie, wie ich sie anstrebte. Einige Tage später dann der Schock: eine Nachricht die ich in Airbnb öffnete, während ich schon wieder auf der Suche nach neuen Locations für neue Shootings war. Der Vermieter des Lofts wurde von einem Bekannten darauf hingewiesen, dass die Fotos im Netz seien und forderte mich auf sofort alle Bilder zu löschen und eine Strafzahlung in Höhe von 4.000€ aufgrund einer starken Imageschädigung zu zahlen. Fuck. Das hatte gesessen. Lustiger Weise kam genau an diesem Tag der erste Testdruck für „Candyland“ bei mir an. Ich war also ganz kurz vor der großen Produktion. Verrückt.

Mit zitternden Fingern tippte ich eine Entschuldigung. Sowas hatte ich nun wirklich nicht für möglich gehalten. Ich wollte ihm klarmachen, dass die Fotos keinem kommerziellen Zweck entsprechen. Er bestand auf seine Forderung und ich konsultierte eine Medien-Rechtsanwältin in Hamburg. Zwei Stunden und ca. 250€ später war dann klar: um eine Strafe käme ich nicht herum.

Im Internet kursiert der Mythos, dass jemand der sich in eine Airbnb- oder sonstige Location (Hotel, Motel) einmietet, gleichzeitig das Besitzrecht für die Dauer des Aufenthalts erwirbt. Dem ist nicht so. Das machte mir die Anwältin eindeutig klar. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich noch in der Ausbildung, mit einem monatlichen Einkommen von etwa 500€. Wie um alles in der Welt sollte ich das bezahlen? Letztlich erzielten wir eine Einigung: Der Vermieter hat sich dankbarerweise mit 3 Monatsraten zu je 250€ und einer Löschung der Daten inkl. Unterlassungserklärung zufrieden gegeben. Trotzdem tat es extrem weh in meiner schmalen Azubi-Geldbörse.

Fassen wir noch mal kurz zusammen:
Miete der Location: 175,00€
An-/Abreise und Verpflegung: 50€
Drei Monatsraten: 750,00€
Anwaltskosten: 250€

Ich komme für dieses Wochenende also auf etwa 1225€ ohne die vielen Stunden des Shootens, der Auswahl und Bearbeitung der Bilder sowie der Schmach, die Bilder in den Magazinen zurückzurufen, einzubeziehen. Ein saftiges Lehrgeld um ehrlich zu sein. Aber das war es: Lehrgeld. Ich habe meine Lehren daraus gezogen. Der nächste Schritt war klar: nie wieder ohne schriftlichem „Okay“ irgendwo zu shooten. Nachträglich habe ich mir von allen Wohnungen bzw. deren Vermietern das „Go!“ zur Nutzung eingeholt – und schließlich „Candyland“ produziert. Nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn das Buch wirklich schon in der Massenproduktion gewesen wäre.

Und die Moral von der Geschicht‘? Lasst euch alles bestätigen, egal wie nervig es ist. Holt euch das „Okay“ von Locationbesitzern ein. Fragt vorher nett. Holt euch auch das „Okay“ der Models ein. Auch mein lieber Kollege Ben Hammer hat in dem Punkt leider echt schlechte Erfahrungen machen müssen. Kostspielige. Sofern dieser Beitrag auch nur einem einzigen Foto- oder Videografen die unnötigen Kosten ersparen kann, die bei mir entstanden sind, habe ich schon was erreicht. Erzählt es auch euren Freunden. Es ist wirklich ein wichtiges Anliegen.

Wer mehr dazu wissen mag oder keine Lust hat zu lesen, dem empfehle ich unseren Podcast, denn in Akt 6 sprechen wir kurz darüber.

Danke für euer Aufmerksamkeit!

Bis bald,

Kai

Foto: Unsplash / Joseph Albanese